Armin Bings
Was zählt in der Stottertherapie? – Selbstwirksamkeit und Teilhabe im Fokus
In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Stottern rückte in den vergangenen Jahren neben den beobachtbaren Sprechunflüssigkeiten zunehmend die subjektive Erfahrung des Stotterns in den Fokus. Yaruss und andere Autoren zeigen, dass Stottern weitreichende Auswirkungen auf Emotionen, Kognitionen, Identität, Kommunikation und soziale Teilhabe haben kann. Im Licht dieser Erkenntnisse muss auch die Frage neu gestellt werden, woran sich Erfolg in der Stottertherapie messen lässt.
Was bedeutet die konsequente Berücksichtigung der Stottererfahrung konkret für die Stottertherapie bei Kindern? Wie können therapeutische Ziele im Hinblick auf kommunikative Selbstwirksamkeit, Partizipation und Lebensqualität gemeinsam mit Kindern und ihren Familien entwickelt und erreicht werden? Das 3E-Modell von Gore & Luckman hierfür einen konzeptionellen Rahmen, der unterschiedliche Dimensionen der Therapie in den Blick nimmt und fortlaufend neue Forschungsergebnisse berücksichtigt.
Der Vortrag verbindet theoretische Grundlagen mit Implikationen für die klinische Praxis, Anhand von therapeutischen Konzepten wie Palin PCI oder dem CARE-Modell wird beispielhaft demonstriert, wie eine moderne Stottertherapie aussehen kann, die das Kind als kommunikative Person in den Mittelpunkt stellt.
Armin Bings ist Logopäde (B.Sc.), Stottertherapeut (ivs), Certified European Stuttering Specialist (CESS) und seit 1999 in eigener Praxis in Grevenbroich tätig. Seit 2026 ist er Vorstandsmitglied der „Interdisziplinären Vereinigung für Stottern, Poltern und Mutismus e.V. (ivs)“.
Hannah Harrer / Dr. Patricia Sandrieser
Elternarbeit in der Logopädie – am Beispiel der Elterngruppen im KIDS-Konzept
Alle finden Elternarbeit wichtig, aber kaum jemand bietet Elterngruppen an. Ist es der organisatorische Aufwand, die Unsicherheit bezüglich der Abrechnung oder etwas ganz anderes, das dafür verantwortlich ist?
Das Therapiekonzept KIDS rät zum Angebot von flankierenden Elterngruppen. Hierfür wurde jetzt ein Konzept entwickelt.
Welche Bedeutung hat die Elternarbeit in der Stottertherapie und wie können Eltern darin unterstützt werden, das Stottern ihres Kindes besser zu verstehen und im Alltag hilfreich damit umzugehen? Ausgehend davon werden die Inhalte und die Gestaltung der Elterninformationsabende sowie das entwickelte Material zur Begleitung der Elternarbeit «Mein Kind stottert» vorgestellt. Abschließend werden Erfahrungen aus der Durchführung sowie Rückmeldungen und das Erleben der Eltern aufgegriffen.
Hannah Harrer hat ihr Studium an der Hochschule für Logopädie Ostschweiz absolviert. In ihrer Bachelorarbeit hat sie sich mit dem Thema der Arbeit von Eltern mit stotternden Kindern beschäftigt und ein Elternprogramm für diese Eltern entwickelt und erprobt. Sie arbeitet am heilpädagogischen Zentrum hpz Schaan in Lichtenstein.
Dr. Patricia Sandrieser war nach ihrer Ausbildung zur Logopädin und dem Studium der Lehr- und Forschungslogopädie an den Universitätskliniken Tübingen und Münster tätig. Danach folgte eine wissenschaftliche Mitarbeit an einem Forschungsprojekt zum Thema kindliches Stottern an der Universität Düsseldorf. Ihre Dissertation hat sie über Stottern im Kindesalter verfasst. Seit 2005 ist sie leitende Logopädin am Katholischen Klinikum Koblenz. Seit 2011 ist sie dort außerdem als therapeutische Leitung der ambulanten CI-Rehabilitation tätig. Sie kommt Lehraufträgen an verschiedenen Universitäten nach.
Dr. Patricia Sandrieser
„Müssen wir wirklich zum Bäcker gehen?“ – in-vivo-Arbeit in der Stottertherapie
Wir Alle wissen, wie wichtig die in-vivo-Arbeit in der Stottertherapie ist. Aber nicht immer gelingt es, die Therapie nach Draußen zu verlegen. Deshalb beleuchten wir mit diesem Vortrag die Hürden und Hemmnisse und berichten von alltagsnahen Möglichkeiten, Stottertherapie in-vivo durchzuführen: mit unterschiedlichen Altersgruppen, in verschiedenen Settings, in kleinen Gruppen und sogar online.
Dr. Patricia Sandrieser war nach ihrer Ausbildung zur Logopädin und dem Studium der Lehr- und Forschungslogopädie an den Universitätskliniken Tübingen und Münster tätig. Danach folgte eine wissenschaftliche Mitarbeit an einem Forschungsprojekt zum Thema kindliches Stottern an der Universität Düsseldorf. Ihre Dissertation hat sie über Stottern im Kindesalter verfasst. Seit 2005 ist sie leitende Logopädin am Katholischen Klinikum Koblenz. Seit 2011 ist sie dort außerdem als therapeutische Leitung der ambulanten CI-Rehabilitation tätig. Sie kommt Lehraufträgen an verschiedenen Universitäten nach.
Dr. Susanne Cook
Schneller als gedacht: Poltern erkennen, diagnostizieren und gezielt therapieren
Poltern ist eine Redeflussstörung, die im klinischen Alltag häufig übersehen oder mit Stottern verwechselt wird, nicht zuletzt, weil sie weniger bekannt ist und in der Ausbildung oft zu wenig Beachtung findet.
Zu Beginn des Vortrags wird ein theoretischer Überblick über Poltern gegeben, um eine fundierte Grundlage für Diagnostik und Therapie zu schaffen. Anschließend werden konkrete Werkzeuge zur Erkennung und Diagnostik von Poltern sowie zur differentialdiagnostischen Abgrenzung vermittelt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung individueller, realistisch erreichbarer Therapieziele sowie auf der Planung wirksamer, alltagsnaher Interventionen. Anhand konkreter Fallbeispiele bietet der Workshop praxisnahe Einblicke und greift typische Herausforderungen aus der therapeutischen Arbeit auf. Darüber hinaus wird eine Studie mit Lehrkräften vorgestellt, deren Ergebnisse wertvolle Impulse für Beratungsgespräche mit Eltern und PädagogInnen liefern. Ergänzend geben authentische Zitate von Betroffenen Einblick in deren Wünsche und Bedürfnisse – ein Perspektivwechsel, der die therapeutische Arbeit bereichert.
Durch die Verbindung von Fachwissen und praxisnahen Beispielen erhalten die Teilnehmenden konkrete Ideen für den logopädischen Alltag, um Kinder mit Poltern einfühlsam und wirkungsvoll zu begleiten.
Dr. Susanne Cook ist Logopädin mit einem besonderen Interesse an Stottern und Poltern. Derzeit praktiziert sie in den USA, wo sie an einer High School arbeitet und als Mentorin für Stottern und Poltern in ihrem Schulbezirk tätig ist. Ihren PhD erwarb sie 2011 am University College London. Sie war Gründerin und therapeutische Leiterin der Stotterintensivtherapie „Sommercamp Hessen“, die von 2001 bis 2011 einmal jährlich in der Nähe von Frankfurt stattfand. Sie ist Mitautorin der evidenzbasierten Leitlinien für Redeflussstörungen. Dr. Cook ist außerdem Präsidentin des Weltpolterverbandes. Ihre aktuellen Forschungsinteressen umfassen Poltern, Strategien für Lehrkräfte sowie die psychosoziale Belastung von Menschen, die stottern und/oder poltern. 2024 erhielt sie den Deso Weiss Award für Excellence in Cluttering.